Ältester Briefmarkensammlerverein Deutschlands

Lochungen in Briefmarken und Ganzsachen

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts galten gelochte Briefmarken als beschädigt und nicht sammelwürdig. Mittlerweile hat sich die Ansicht über Briefmarken mit Lochungen wesentlich geändert und es gibt zahlreiche Philatelisten, die sich mit diesem Sammel- gebiet intensiv beschäftigen.

Als ich als junger Sammler das philatelistische Grundwissen vermittelt bekam, wurden Themen wie Markengattung, Poststempel oder Frankaturarten immer mit umfangreichem Anschauungsmaterial erklärt. Ein Gebiet wurde aber immer etwas stiefmütterlich und fast ausschließlich theoretisch behandelt - das Thema Lochungen.

Vor einiger Zeit habe ich das Thema wieder aufgegriffen. Aufbauend auf den Ausführungen dazu im "Lexikon der Philatelie" von Wolfgang Grallert und der "Anleitung zur Vermittlung philatelistischer Kenntnisse in den Arbeitsgemeinschaften Junger Philatelisten und in den Jugendarbeitsgemeinschaften" von Michael Böhme, Hans-Georg Dauterstedt, Knut Fortagne, Eberhard Richter und Dr. Werner Zschörneck habe ich versucht, unter Einbeziehung von neueren Entwicklungen, die Lochungen nach der Art ihrer Verwendung zu klassifizieren. Folgendes Schema ist dabei herausgekommen:

 

 

1. Die Durchlochung

Die Durchlochung wird von amtlicher Seite mit einem Locheisen mit meistens glattem, seltener verziertem Rand durchgeführt.

1.1. Die Durchlochung als Entwertung

Mit der Durchlochung werden die Postwertzeichen (zum Teil neben der üblichen Entwertung mit einem Poststempel) entwertet. Durchlochungen als Entwertung findet man z.B. bei Briefmarken von Spanien (1870 – bei Telegrafenmarken), Russland (1889-1913 - bei Marken mit hohen Nominalen auf Auslandspaketkarten) und Argentinien (1892-1930 – bei Marken zur Verrechnung von Zeitungsgebühren)

1.1. Die Durchlochung als Schutzlochung

 

Besonders bei Dienstmarken verschiedener Länder wurde die Durchlochung als Schutz angebracht um eine missbräuchliche Verwendung dieser Marken zu verhindern. Nebenbei führte dies gleichzeitig zu einer besonderen Form der Vorausentwertung.

Beliebt war dieses Verfahren besonders in Uruguay. Dabei wurden ab 1901 von unterschiedlichen Dienststellen jeweils eigene Zeichen eingesetzt.

Zum Schutz von Postwertzeichen mit hohem Nominalwert gegen deren unberechtigte Entfernung von Formblättern für Sammlerzwecke wurde die Durchlochung ebenfalls verwendet, beispielsweise im Saarland in den Jahren 1921-23. Besonders häufig findet man diese Art der Lochung auch bei Fiskalmarken.

In Ungarn wurde zwischen 1921 und 1924 bei mehreren Ausgaben eine Dreipunktlochung angebracht um spekulative Ankäufe dieser Ausgaben zu verhindern. Die Lochung betraf die beiden mittleren senkrechten oder waagerechten Bogenreihen. Da diese Maßnahme nichts brachte, wurde sie bereits 1924 wieder aufgegeben.

2. Die Einlochung

 

Die Einlochung hat rein kennzeichnenden Charakter. Die Postwertzeichen werden nicht entwertet!!!

2. 1. Die postamtliche Einlochung

2. 1. 1. Kennzeichnung als Dienst- oder Portomarke

 

Freimarken werden mittels einer Lochung als Dienstmarken gekennzeichnet und zur Frankatur von Postsendungen von Behörden verwendet. Bekannte Beispiele dafür sind Freimarken von Bayern, die mit verschiedenen Buchstaben gelocht wurden, zum Beispiel (E = Eisenbahnbehörden; LK = Verwaltung der staatlichen Lastkraftwagenlinien usw.) und Freimarken von Luxemburg die mit der Lochung „OFFICIEL“ als Dienstmarken gekennzeichnet wurden.

Die bekannteste Lochung dieser Art ist sicher die sogenannte POL-Lochung, die sowohl zur Kennzeichnung für von Freimarken als Polizeidienstmarke angebracht wurde als auch der Kennzeichnung von Freimarken diente, die dem Rückantwortschreiben von Eingaben der Bevölkerung (insbesondere an die Einwohnermeldeämter) beilagen.

In Ungarn wurde eine Luftpostmarke, die offenbar kaum zum Einsatz kam, für den Innendienst verwendet. Die Kennzeichnung erfolgte durch eine waagerechte Dreipunktlochung.

In Tunesien wurden Freimarken mit einer Lochung des Buchstaben „ T“ versehen und so als Portomarken (franz.: Timbre Taxe) gekennzeichnet.

2. 1. 2. Kennzeichnung als Muster bzw. Vorlagestücke

 

In Probestücke von Postwertzeichen wurden für Vorlagezwecke die Worte „SPECIMEN“ oder „Druckprobe“ eingelocht. Die Druckerei Waterloo & Sons Ltd. verwendete kleine runde Löcher zur Kennzeichnung von Probedrucken (Eine Verwechslung mit den entwertenden runden Löchern z.B. bei Spanien ist in der Regel ausgeschlossen, da auf den Probedrucken der Firma gleichzeitig Aufdrucke mit dem Firmennamen angebracht wurden). 

Neben Briefmarken wurden auch Ganzsachen als Vorlagestücke gekennzeichnet. Man findet diese Lochungen z. B. bei den Bildpostkarten des Deutschen Reiches und der Bundesrepublik Deutschland.

2. 1. 3. Einlochung für Verarbeitungszwecke

 

Zum besseren Transport der Marken in Briefmarkenautomaten wurden Transportlöcher eingebracht, z.B. bei Automarkenmarken aus Deutschland.

2. 1. 3. Einlochung als gestalterisches Element einer Briefmarke (Zierlochung)

 

Viele Postverwaltungen versuchen immer mehr Ihre Briefmarken durch Besonderheiten aus der Masse der Emissionen herauszuheben. Neben ausgefallenen Materialien oder Farben mit Duftstoffen kommen in letzter Zeit auch immer öfter Lochungen bei der Gestaltung zum Einsatz. Besonders aktiv ist dabei die Post der Niederlande.

2. 2. Die private Einlochung

 

Im Zeitalter der Industrialisierung kam es in Firmen immer wieder zum Diebstahl der für die Geschäftspost bestimmten Briefmarken. In einigen Ländern konnten Briefmarken sogar zur Bezahlung kleinerer Beträge verwendet werden konnten.

Deshalb wurden meist von größeren Firmen private Einlochungen hergestellt um die missbräuchliche Verwendung der vorhandenen Markenbestände für persönliche Sendungen zu erschweren. Daraus resultiert auch die Bezeichnung „Firmenlochung“ für diese Art der Einlochung. Meistens wurden die Initialen der jeweiligen Firma eingelocht.

Dementsprechend lautet die englische Bezeichnung (die sich mittlerweile auch zunehmend im deutschen Sprachraum durchsetzt) für eine Firmenlochung auch „Perfin“ als Abkürzung für Perforated Initials. Es wurden aber auch Zeichen und Symbole verwendet.

Firmenlochungen wurden in vielen Ländern hergestellt. Seit 1876 waren auch im Deutschen Reich Firmenlochungen erlaubt und in Deutschland bis etwa 1950 im Einsatz. In der DDR verwendete z. Bsp. der VEB Carl Zeiss Jena die Initialen „CZ“. In der Bundesrepublik Deutschland wurden Firmenlochungen 1966 endgültig verboten.

Mit den anfänglich verwendeten Lochmaschinen musste jede Marke einzeln gelocht werden. Um diese eintönige Arbeit zu beschleunigen wurden die Schalterbogen gefaltet. Daraus resultieren auch die spiegelbildlichen Lochungen die man bei Paaren bzw. Einheiten antrifft.