Internationaler Philatelistenverein von 1877 Dresden e.V

Ältester Briefmarkensammlerverein Deutschlands

Max Schmeling und die "HINDENBURG"

Ein Artikel von Dr. Axel Eska, IPV Dresden 1877 e.V.  aus der "philatelie" 02/2018

Meine kleine Zeppelinsammlung schmückt ein Beleg der ersten Nordamerika–Fahrt der "HINDENBURG" von 1936, dem linksrandig ein Autograph von Max Schmeling beigesetzt ist ( Abb. 1 ). Der Beleg ist eine 2 Cent–Ganzsache der USA, die u.a. mit dem sog. Tipex-Block auffrankiert ist und den Poststempel von „New York“ vom 11.5.1936 sowie den Flugbestätigungsstempel „Frankfurt/Main“ vom 14.5.1936 trägt. Nach dem Siegerkatalog handelt es sich um die Fahrt 409 E. Das neue Luftschiff benötigte für die immerhin 6.670 km über den Nordantlantik weniger als fünfzig Stunden. Die spannende Frage ist, war die Boxlegende an Bord des Zeppelins?

 

 

Wer war Max Schmeling?

1905 in der Uckermark geboren, faszinierte den Jugendlichen ein Kinofilm über das Boxen und er fand im Rheinland eine Arbeit als Brunnenbauer und einen Boxklub. Bereits 1927 wurde er Europameister und 1930 in den USA Weltmeister im Schwergewicht. Sein Gegner wurde im Kampf wegen eines Regelverstosses disqualifiziert – bislang einzigmalig in der Geschichte der Schwergewichts – WM – Krone, genauso wie der Umstand, dass Max Schmeling bis heute der einzige deutsche Weltmeister im Schwergewicht geblieben ist.

Seine Popularität war nach dem Titelgewinn schon so gewaltig, dass 1934 mehr als 100.000 Zuschauer einen Boxkampf in Hamburg verfolgten. Wieder ein bleibender Rekord für einen Boxkampf - unter freiem Himmel in Europa. Ein Jahr zuvor heiratete er die Tschechin Anny Ondra – ein Kinostar als das Kino noch ohne Ton auskommen musste. Diese Heirat war den Nationalsozialisten genauso ein Dorn im Auge wie der jüdische Manager Schmelings, der sich gleichwohl für die Propaganda Deutschlands einspannen liess und für die Teilnahme der USA an den elften Olympischen Spielen in Berlin 1936 warb. Höhepunkt der Boxkarriere war zweifellos der Kampf gegen Joe Louis am 19.6.1936 in New York – also einem Monat nach der Beförderung meines Zeppelinbelegs. Der bis dato ungeschlagene Joe Louis ging in der 12. Runde k.o. - ein Sensationserfolg, der in Deutschland an den Radioempfänger miterlebt werden konnte.

Joe Louis forderte 1938 Max Schmeling zu einem Revanchekampf, den der Deutsche allerdings schon in der ersten Runde verlor. Max Schmeling blieb gleichwohl ein Star, der sich von seinen reichlichen Einnahmen in Rummelsburg in Pommern ein Gut kaufte. Dem Wehrdienst entkam er nicht – 1941 kämpfte er als Fallschirmjäger auf Kreta und wurde aufgrund einer Verletzung dann vom Frontdienst freigestellt. 1945 war für ihn sehr einschneidend; er verlor sein Gut und in Hamburg war er kurzzeitig inhaftiert, wurde aber als „unbelastet“ eingestuft. Der Neubeginn in Wenzendorf bei Hamburg war nicht leicht, doch sein gewinnendes Auftreten und seine Popularität verhalfen ihn bis zu einer mehr als auskömmlichen Generalvertetung für Coca–Cola. Nicht unerwähnt soll sein Kirchenaustritt aufgrund der sogenannten Ostdenkschrift der Evangelischen Kirche 1965 sein, zu schmerzhaft blieb der Verlust seines pommerschen Besitzes.

Die in 70 Profikämpfe 56 erfolgreiche Boxlegende starb im Jahr 2005 mit 99 Jahren kinderlos. Schon zu Lebzeiten hat er viele Sport- und Kindereinrichtungen mit Spenden gefördert.

Nun aber die Frage : Flog Max Schmeling an Bord der "HINDENBURG"?

Da mein Beleg Mitte Mai in Frankfurt anlandete, der Boxkampf aber Mitte Juni 1936 stattfand, ist das unwahrscheinlich. Immerhin weilte Schmeling schon vor dem Kampf einige Male in den USA, wobei er dabei wohl aber den Seeweg nutzte. Um diese offene Frage zu klären, wandte ich mich an das Zeppelin – Museum in Friedrichshafen, das innerhalb eines Tages (!) per E-Mail antwortete und mich auf die Website airships.net/hindenburg/flight-schedule hinwies.

Dort kann man nachlesen, dass Schmeling Ende Juni 1936 tatsächlich mit der "HINDENBURG" fuhr und zwar auf Wunsch der deutschen Reichsregierung, die für die Heimreise das modernste und grösste Luftschiff der damaligen Zeit gern als Technologieträger in Szene setzte, um die Überlegenheit Deutschlands auch in diesem Bereich medienwirksam zu inszenieren.

Die hervorragend gemachte Homepage gibt auch Auskunft darüber, dass Max Schmeling für einen Weltmeisterschaftskampf in den USA 1937 schon ein Ticket für die erste Nordamerikafahrt 1937 gebucht hatte. Da eine Anhörung vor der US–Boxkommission aber auf den 4. Mai 1937 angesetzt war, musste er das Schiff nehmen und das Ticket für das Luftschiff stornieren… andernfalls hätte der Boxer am 6. Mai 1937 den schwärzesten Tag der Zeppelingeschichte erlebt und vielleicht nicht überlebt – das Explosionsunglück der "HINDENBURG" von Lakehurst.

Nun bleibt leider im Dunkeln, wie die Unterschrift Schmelings auf meinen Brief gelangt ist, der zehn Zeppelin-Fahrten vor ihm den Atlantik kreuzte. Weniger interessant erscheint der mit seinem Autogramm versehene Beleg nach der vorstehenden Geschichte aber keineswegs. 

Philatelistisch bzw. zeitgeschichtlich interessant zu Max Schmeling ist weiter eine Werbekarte einer Leipziger Krankenversicherung ab „Leipzig“ 7.3.1931 mit der kollagenhaften Montage wichtiger Persönlichkeiten mit der Überschrift „“Wer ist der wichtigste Mann der Welt?“ ( Abb. 2 ) Neben dem zentral angeordneten Reichskanzler Hindenburg meint der Autor Trotzki und Einstein in der zweiten Reihe zu identifizieren. Hitler in Zivil sieht über dem schelmisch blickenden Einstein im Jahr 1931 weder bedeutend noch gewinnend aus. Ganz anders Max Schmeling im schwarzen Boxerhemd, der lächelnd das untere Drittel der Collage beherrscht. Ein schönes philatelistisches Zeitdokument, das uns das  Renommee des damals 26-jährigen Boxers aus der Uckermark zu Beginn der 30er Jahre eindrucksvoll näherbringt. 

 

 

 Im Todesjahr 2005 verausgabte dann die Deutsche Post unter der MiNr. 2489 zum 100. Geburtstag von Max Schmeling eine gelungene Sondermarke, die sowohl den jungen Boxer im Halbporträt als auch den großen alten Mann zeigt ( Abb. 3 auf FDC ). Max Schmeling war nach der Tennisspielerin C. Aussem (MiNr. 1365) und der Olympiasieger-Ausgabe von 1996 (MiNr. 1861-64) damit erst der sechste Sportler, der individuell auf einer deutschen Briefmarke geehrt wurde – das nach fast 6.000 Michel-Hauptnummern von DDR– und Bundmarken.

 

 

Heute ist sein Leben wiederholt Vorlage von Kinofilmen, zuletzt 2010 mit Henry Maske Und eine große Sportarena in Berlin trägt seinen Namen. Um so mehr freue ich mich, einen Beleg mit seiner Unterschrift – zudem in so nahem zeitlichen Zusammenhang mit seinem größten Kampf – in der Sammlung zu haben.