Internationaler Philatelistenverein von 1877 Dresden e.V

Ältester Briefmarkensammlerverein Deutschlands

Vereinsausflug zur Festung Königstein

Arndt Göbel IPV, Dresden

Nach langer Diskussion im Vorstand und mit den Mitgliedern gab es Einigkeit – zum 140. Vereinsjubiläum erkunden wir die Festung Königstein. Von unserem Vorsitzenden akribisch vorbereitet (und unterstützt von einigen Sammlerfreunden) fuhren wir zuerst per S-Bahn von Dresden nach Königstein und dann mit einem roten Doppeldeckerbus (dem sogenannten „Bastei-Kraxler“) zum Parkplatz unterhalb der Festung. Von dort aus ging es per „Hummelbahn“ zum Fuße der Festung. Vor die Wahl gestellt, das Festungsplateau per Aufzug oder zu Fuß zu erreichen, konnten fast alle der letzteren Variante nur Positives abgewinnen.

 

                  
Abbildung 1: Die Festung auf  einer Briefmarke von Post Modern 

Auf dem Festungsgelände angekommen erwartete uns eine kundige Führerin zu einem Besuch der Kasematten. Sehr interessante Fakten und außergewöhnliche Blickwinkel fanden unser ungeteiltes Interesse. Ihren Abschluss fand die Führung an der sogenannten Friedrichsbastei.

Wir bekamen die gar ergötzlich Geschicht’ vom Pagenbett zu hören (ob es sich tatsächlich 1675 so zugetragen hat?): Nach einem Feste mit reichlich Weingenuss soll sich der Page Heinrich von Grunau auf der schmalen Fensterbrüstung zum Schlafen niedergelegt haben – direkt über dem Abgrund. Kurfürst Johann Georg II. ließ den Pagen festbinden und dann mit Pauken und Trompeten wecken. Ein Spektakel für alle Zuschauer, YouTube gab es eben noch nicht! Der in Abbildung 2 gezeigte Ausschnitt einer sehr alten Ansichtskarte nach dem Gemälde von Professor von Oër illustriert diese kleine Geschichte.

                  Abbildung 2: Das Pagenbett

Eine Besonderheit der Friedrichsburg hat uns die Führerin allerdings glatt verschwiegen. Man kann die Räumlichkeiten auch mieten, inklusive eines Tischlein-Deck-Dich, einem Hubtisch vom Erdgeschoß zur ersten Etage. Wie von Zauberhand erscheint eine gedeckte Tafel.   

 

Abbildung 3: Brief als Drucksache mit Sonderstempel (Anschrift aptiert)

Nach der Führung haben wir uns einen kräftigen Schluck gegönnt, haben das Areal einmal umrundet (in Abbildung 3, einem Ausschnitt aus einer DDR-Ansichtskarte aus den frühen 50er Jahren kann man unseren Blickwinkel nachvollziehen) oder uns die interessanten Dauer-Ausstellungen angeschaut. Auch Petrus meinte es gut mit uns; bei der Ankunft am Vormittag war es noch etwas frisch, mittags kam die Sonne heraus.  

Wieder zurück nach dem Orte Königstein hatten wir im „Sachsenstübel“ Mittagessen bestellt. Nur hatte die Wirtin wohl nicht ganz verstanden, dass wir erst ziemlich spät erscheinen würden. Angeblich war sogar der Koch schon nach Hause gegangen, am Tisch ging es etwas eng zu und obendrein wurde anfänglich ein Gedeck zu wenig serviert. So dauerte es sehr lange, bis wir alle unseren Hunger stillen konnten. Schade eigentlich, denn der (herbeigerufene?) Koch versteht es, sehr wohlschmeckende Speisen zuzubereiten. Die unfreiwillige Pause nutzten wir, um von unserem Vorsitzenden eigens angefertigte Briefumschläge zu frankieren und zu adressieren. Es blieb sogar genügend Zeit, zweimal zur nahegelegenen Poststelle zu laufen und die Briefe dort sauber stempeln zu lassen (Abbildung 4).

 

 

Abbildung 4: Beförderter Schmuckumschlag anlässlich des „140.“ (ms) 
 

Seit Jahrhunderten wird auf dem fast 10 ha umfassenden Königstein-Areal gebaut, der jeweils aktuellen Nutzung entsprechend. Die Mauern der Festung umschließen nicht nur die damals zur Verteidigung dienenden Anlagen sondern ebenso Kasernen und eine Kirche, Schatzhaus und Nutzgarten, Brunnenhaus und Kasematten. Ursprünglich böhmisch gehörte die Festung später zu Sachsen, war auch mal preußischer Besitz und dann wieder sächsisch. Nachfolgend einige Belege, welche die wechselvolle Geschichte etwa der letzten 100 Jahre philatelistisch illustrieren.

Mit der Öffnung für den Tourismus wurde 1897 auf der Festung ein Postamt eröffnet. Aufgrund der offenbar geringen Nutzung wurde es bereits 1904 wieder geschlossen. Die Abbildung 5 zeigt einen Beleg an einen auf der Festung Kasernierten; am Oberrand steht der vorgeschriebene Portofreiheits-Vermerk ‚Soldatenbrief, Eigene Angelegenheit des Empfängers‘. Die Ankunft der Briefes aus Metz wurde mit dem Einkreisstempel ‚KÖNIGSTEIN (FESTUNG)‘ dokumentiert.

 

 

   Abbildung 5: Soldatenbrief mit Ankunftsstempel KÖNIGSTEIN (FESTUNG)

 

Im 1. Weltkrieg diente dann die Festung auch zur Unterbringung von Kriegsgefangenen. 

 

 

Abbildung 6 zeigt die Rückseite einer sehr frühen Kriegsgefangenensendung vom

20.11.1914 (Ansichtskarte) mit deutschem Zensurstempel 

 

Im Verlaufe des Krieges wurden dann Vordrucke für die Kriegsgefangenensendungen hergestellt, denn die Briefe liefen  jetzt generell über das bekannte "Moskauer Hilfskomité für Kriegsgefangene" in Kopenhagen (Abbildung 7). Neben dem ovalen Zensurstempel mit dem sächsischen Wappen wurde ein weiterer Stempel mit den Buchstaben ‚F.a.‘ (Frist abgelaufen) angebracht, der anzeigte, dass die aus Sicherheitsgründen festgelegte Sperrfrist für den Brief abgelaufen war.

 


Abbildung 7: Kriegsgefangenensendung zur Weiterleitung nach Kopenhagen
 

Nach zwanzig friedlichen Jahren diente dann die Festung im 2. Weltkrieg wieder als Kriegsgefangenlager. Auf ihr wurde ein Offizierslager mit der Bezeichnung Oflag IV B eingerichtet. Untergebracht wurden hauptsächlich polnische und französische Offiziere.

 

 

  Abbildung 9: Kriegsgefangenensendung (ankommend) vom 7.XII.43

Diese Kriegsgefangenensendung aus dem 2. Weltkrieg hat zwei unterschiedliche Zensurstempel (nach der gelungenen Flucht des französischen Generals Henri Honoré Giraud wurde die Post von mehreren Personen geprüft; um eventuelle Fehler zu ahnden, musste jeder Prüfer seinen eigenen Stempel verwenden).

 

 

Der Absender verwendete eine polnische Ganzsache. Obwohl Kriegsgefangenen-sendungen portofrei waren, frankierte der Absender die Karte mit einer Hindenburgmarke. Die Marke wurde aller Wahrscheinlichkeit nach von der Kontrollstelle entfernt um sicherzustellen, dass sich unter der Marke keine versteckte Information befindet.

Nach Kriegsende übergab die Besatzung der Festung diese zunächst den französischen Kriegsgefangenen. Kurz darauf wurde sie von einer amerikanischen Spezialeinheit evakuiert und nachfolgend nutzte die Rote Armee die Festung als Lazarett. Von 1949 bis 1955 wurde sie auch als sogenannter Jugendwerkhof zur Umerziehung straffälliger und nicht ins Bild der sozialistischen Gesellschaft passender Jugendlicher genutzt. Ein eigenes Postamt gab es auf der Festung schon lange nicht mehr, deshalb wurde die Post im Ort Königstein aufgegeben und bekam dort den unveränderten Sonderstempel aus Vorkriegszeiten.

 

 

Abbildung 10: Bedarfspost vom Jugendwerkhof auf dem Königstein

 

Das Festungsgelände wurde ab 1955 der Öffentlichkeit schrittweise als militär-historisches Freilichtmuseum zugänglich gemacht. Eine weitere Nutzung der Räumlichkeiten der vielen Gebäude der Festung ist weniger bekannt: Fernsehen! 
  

„Flax und Krümel“ war eine Puppenspiel-Fernsehserie für Kinder aus der Feder von Heinz Fülfe (der auch die Puppenfigur „Struppi" sprach) und seiner Ehefrau Ingeburg, die zwischen 1955 und 1970 im Fernsehen der DDR ausgestrahlt wurde. Sie war die erste Serie im deutschsprachigen Fernsehen, die ausschließlich für Kinder gedacht war.

<-- Abbildung 11: seltene MeF der MiNr. 1025 auf einer Postkarte mit Flax, Krümel und  Struppi

Heinz und Ingeburg Fülfe spielten und sprachen auch die beiden Figuren, die durch Handpuppen dargestellt wurden. Fülfe hatte die ursprünglich wohl Hänsel und Gretel darstellenden Puppen gekauft und nannte sie Flax und Krümel. Gedreht wurde auf der Festung Königstein. Heinz Fülfe und Struppi waren noch lange im Abendgruß des DDR-Fernsehens zu sehen – als Bauchredner und Schnellzeichner plus Handpuppe; Fülfe verabschiedete sich immer mit „Euer Taddeus Punkt“ – und malte einen fetten Punkt. 

Im Rahmen einer Sondermarkenserie „Figuren des Kinderfernsehens“ kamen Flax, Krümel und Struppi auch zu Markenehren – die Entwürfe stammen übrigens vom bekannten DDR-Grafiker Werner Klemke (er schuf auch die Titelseiten des „Magazin“).