Internationaler Philatelistenverein von 1877 Dresden e.V

Ältester Briefmarkensammlerverein Deutschlands

 Stampagen von Kurt Walter Schleicher

Stampagen sind kreativ gestaltete Briefmarkenklebebildbilder. Dabei handelt es sich um betrachtenswerte „Briefmarken - Kollagen“ - eine Kunst, die bis ca. 1910 von Sammlerfreunden vielfältig angewendet wurde, aber seit 100 Jahren nur noch selten gepflegt wird.

Durch die Aktivitäten unseres Vereinsvorsitzenden, Herrn Schleicher, wurde diese philatelistische Gestaltungsform wieder belebt und in verschiedensten Veranstaltungen einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Am 5. Mai 2012 beging unser Verein mit einer Jubiläumsfeier seinen 135. Geburtstag, die von einer interessanten Ausstellung begleitet wird. Zu sehen waren neben diversen Unikaten (Fotos, Drucke ab 1881, Dokumente zur Vereinsgeschichte etc.) auch die nachfolgend gezeigten Stampagen.

 

 

Stampage "Wappen im Siegel"

 

Der 1877 in Dresden gegründete Internationale Philatelistenverein von 1877 Dresden wird im Siegelzentrum durch das Vereinwappen belegt. Basierend auf den Stadtfarben des Gründungsortes: Schwarz - Gelb, trägt ein Spitzschild das Vereinswappen innerhalb einer Dreiteilung.

Für Dresden stehen: Teile des Meißner Löwen und den Landsberger Pfählen

Für den IPV 1877 DD stehen: Symbolisch ein offenes Haus der Philatelie für jedermann, mit Lupe und Pinzette, der Kreis unten berührt die im Verein gepflegte Stempelkunde.

Umgeben ist das Wappen mit kleineren Serien und Einzelmarken aus aller Welt, die >die Buntheit und die Vielgestaltigkeit< der Philatelie markieren. Sie verkörpern die einstigen Ortssektionen (summarisch über 500!) und die korrespondierenden Gesellschaften auf fünf Kontinenten, die einst dem IPV 1877 als Mutterverein betrachteten. Zur Erinnerung, der IPV zählte im Jahr 1923 3302 Mitglieder in aller Welt.

Über dem gestalteten Siegel kann die Abkürzung > IPV 1877 < aufgeschlüsselt werden. Die Gründungszeit des Vereins 1877, wird durch die Marken der Kaiserzeit mit dem I belegt. Das P markiert den Beginn der wechselvollen Geschichte des Vereins in der sowjetischen Besatzungszone. Die Epoche der DDR, belegt durch das V wird mit den Motivmarken der Stalinallee in Berlin und deren anfänglichen Portosenkung demonstriert. Die gegenwärtige Epoche BRD trägt das Gründungsjahr und Ort.

Für den philatelistischen Entdecker sind die Frei- und Sondermarken um das Vereinswappen kreisförmig gruppiert, diese demonstrieren die im Verein historisch gewachsenen Sammelrichtungen. Das Siegel liegt auf einer grünen hoffnungsvollen Fläche, gestaltet aus Marken der Deutschen Post der DDR.

 

 

Stampage "Einseitige Brücke"

 

Im Ozean unseren endlichen Welt, balanciert eine Frau in einseitiger Brücken - Stellung vor einer ausgebrochenen Muschel, über die eine mehrköpfige Schlange kriecht. Der Balanceakt manifestiert einen >Mutterverein< im Kampf um traditionellen Vereinsbestand den ältesten Briefmarkensammlerverein Deutschlands, die Rede ist vom:

Internationalen Philatelisten - Verein von 1877 Dresden e.V.

Warum der Vergleich mit einem >Mutterverein<?  Nach dem knapp 50-jährigen Bestehen des Vereins, waren bereits über 3300 Mitglieder aus aller Welt in das Vereinsregister eingetragen; für etwa 500 Vereine mit mehr oder weniger langem Bestand, war der IPV der Mutterverein. D.h. viele Vereine, damals Sectionen (später Ortsgruppen) genannt, übernahmen die Statuten und Traditionen oder Teile davon, in ihre Reglements auf und pflegen diese noch bis heute.

Der bisher ehrenamtlich durchgeführte Organisationsaufwand erforderte um 1900 für ca. 2000 Mitglieder in aller Welt für den IPV 1877 DD bald neue Strukturen.

So bildeten sich:

- 1924/25       der Bund Deutscher Philatelistenverbände im In- und Ausland e.V.

- 1926             die Federation Internationale de Philatelie (FIP)

- 1934             der Reichsbund der Philatelisten in Deutschland

- 1937             die Deutsche Sammler Gemeinschaft der N.S. Gemeinschaft KdF

- 1945             der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands

- 1947             der Bund Deutscher Philatelisten (BDPh)

                        (dieser hielt Verbindung zum KB der DDR und

                        unterstützte die Wiederaufnahme des traditionellen Namens im Jahr 1990)

Die internationale Bedeutung ging 1926 an die FIP. Der IPV 1877 DD behielt bis 1945 Name und Tradition bei. Zwischen 1934/35 bis 1945 gab es nur den Reichsgedanken, der Einzelverein existierte als Organisationsform weiter. Mit dem Befehl Dr. 2/1945 der Sowjetischen Militär Administration wurde der Vereinsname verboten. Der IPV 1877 DD fand sich danach im Verband  > Groß - Dresden <  als Gruppe Wissenschaftliche Philatelie des KB z.E.D. Seit 1956/58 wurde der Verein mit mehrfach wechselnden Bezeichnungen dann als Ortsgruppe AG Dresden - Süd geführt.

Erst mit der Wiedervereinigung 1990, konnte der traditionsreiche Name wieder verwendet werden.

 

 

Schwerter zu Pflugscharen - das unerwünschte Symbol in der DDR

 

Am 4. Dezember 1959 schenkte die Sowjetunion der UNO eine Bronzeskulptur von Jewgeni Wutschetitsch, die das biblische Motiv bildlich-plastisch darstellt. Die Skulptur wurde im Garten des UNO-Hauptgebäudes in New York City aufgestellt. Ihr Modell befindet sich vor der Zweigstelle der Tretjakow-Galerie für moderne Kunst in Moskau. Die Skulptur zeigt einen muskulösen Heros, der ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet.

Sie ist im Stil des Sozialistischen Realismus gestaltet und hebt die Schöpferkraft des arbeitenden Menschen hervor. Zugleich appelliert sie an das Friedensziel der UN - Charta. Sie ist das dritte Werk einer Trilogie dieses Bildhauers, die durch das Schwertmotiv verbunden ist.

Der Dresdner Pfarrer Harald Brettschneider ließ in den 80er Jahren auf Stoffteilen aus Vlies das Symbol mit dieser Skulptur bedrucken. Auf Jacken als textiler Aufnäher befestigt, sorgte er für großen Unmut bei den DDR - Behörden und wurde von der Polizei teilweise gewaltsam von der Bekleidung gerissen. Diese erlebte (Be)Handlung inspirierte mich zu dieser Stampage.